Begegnungen mit dem Tod

Porträt Michael Swadzba

Ausbildung zum Bestatter wird beliebter

Begegnungen mit dem Tod

Von Lisa von Prondzinski

Tausende Jugendliche begannen am Mittwoch (01.08.2012) mit ihrer Ausbildung. Michael Swadzba kommt schon ins dritte Lehrjahr. Er hat in seiner Ausbildung bislang schon sehr viel gelernt: Über seinen Beruf, das Leben und den Tod. Michael wird Bestatter.

Michael Swadzba kann sich noch gut an seinen ersten Verstorbenen erinnern, an dessen Beerdigung er mitgewirkt hat. Es war ein Mann Mitte 40, ein Fußball-Fan, der mit Trikot und Schal in den Sarg gelegt wurde. "Die Kälte des Körpers zu spüren, war ungewohnt. Man kennt die Leichenstarre anfangs nicht. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran", erzählt der 22-Jährige aus Leverkusen, der sich zur Bestattungsfachkraft ausbilden lässt. Nun ist er im dritten Ausbildungsjahr bei einem Bestattungsunternehmen in Bergisch Gladbach.

Viel Abwechslung im Alltag

Urnengrab am Baum

Michael Swadzba wirkt freundlich und aufgeschlossen. Dass sein Beruf oft "nicht ganz normal" empfunden wird, merkt er daran, wenn ihm jemand Fragen zu seiner Arbeit stellt: "Wie sehen die Toten aus? Musst du die anfassen? Hast du keine Angst?" Dann muss der Leverkusener Aufklärungsarbeit leisten, denn er macht weit mehr als die Arbeit an Toten, die gewaschen und angezogen werden müssen. Er kümmert sich auch um die Trauerarbeit mit den Hinterbliebenen, um die Trauerfeier, stellt die Blumen-Dekoration zusammen und geht mit zur Beerdigung. "Wenn ich merke, dass jemand Trost braucht, dann höre ich zu und versuche zu trösten, soweit es überhaupt geht, wenn man Vater, Mutter oder Ehemann verloren hat."

Doch der Lehrling ist auch viel draußen, im angrenzenden Wald, in dem sein Arbeitgeber einen privaten Urnen-Friedhof  hat. Dann tauscht Michael Swadzba sein weißes Hemd, die schwarze Hose und seine Weste gegen Latzhose, Handschuhe und Schaufel, um Urnen-Gräber im Wald auszuheben. Oder er hilft dabei, einen Baum zu fällen. Auch wegen dieser so unterschiedlichen Aufgaben mag er seine Arbeit.

Probearbeit vor Beginn der Ausbildung

Lerhling Michael Swadzba (links) uns sein Ausbilder Ralf Winkelhausen

Michael Swadzba hat gejobbt, seitdem er 13 Jahre alt war. "Was ich gesehen habe - ob Einzelhandelskaufmann oder Mechatroniker – es war mir alles zu eintönig."  Durch Zufall ist er auf den Bestatterberuf gekommen: Der Vater eines Freundes hat ein Bestattungsunternehmen, und so hat er einen Einblick bekommen. Michael Swadzba fragte sich schließlich, ob er sich "ein Leben lang mit dem Tod auseinandersetzen will". Nach einem Praktikum war klar, dass er es will. Der junge Mann hat sich mit seinem Realschulabschluss um eine Lehrstelle beworben. Bevor er seine Ausbildung begonnen hat, musste er eine Woche zur Probe arbeiten.

Wachsende Zahl an Lehrlingen

Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft gibt es erst seit 2003. Früher wurde man für diesen Beruf nur angelernt. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Azubis gestiegen: Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter e.V., dem bundesweit rund 3.800 Bestatterunternehmen angehören, haben vor sieben Jahren deutschlandweit nur 23 Auszubildende einen Abschluss gemacht. Im vergangenen Jahr waren es dagegen 141 – und die Hälfte davon waren Frauen. Das sind mittlerweile so viele, dass nicht alle übernommen werden können.

Selbständiges Arbeiten und Einfühlungsvermögen

Porträt Ralf Winkelhausen

Ralf Winkelhausen hat schon viele Lehrlinge ausgebildet

Das wachsende Interesse an diesem Beruf macht sich auch bei dem Arbeitgeber von Michael Swadzba bemerkbar. An die 60 Bewerbungen sind bei ihm in Bergisch Gladbach in diesem Jahr eingegangen, erzählt Ausbilder Ralf Winkelhausen. Es sei alles andere als leicht, passende Lehrlinge zu finden. "Obwohl wir es gerne gewollt hätten, haben wir dieses Jahr keinen einzigen eingestellt. Supernoten bedeuten noch lange nicht, dass es die richtigen Kandidaten sind." Winkelhausen  erwartet vor allem, dass die Azubis selbständig arbeiten können, viel Einfühlungsvermögen haben und dazu noch mit ganz unterschiedlichen Menschen zurechtzukommen.

Schattenseite: "Wenn Kinder sterben"

Michael Swadzba und seien Ausbilder im Profil

Michael Swadzba ist ein engagierter Lehrling

Für viele Menschen bedeutet der Tod das Ende von allem. Für Michael Swadzba nicht: "Wir diskutieren oft in der Schule darüber, was dann kommt." Als Katholik glaubt er daran, dass die Seele in irgendeiner Form weiterlebt. Und was mit seiner Hülle passieren wird, weiß er genau. Über seine eigene Beerdigung aber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Dafür fühlt er sich zu jung. Aber: "Wenn Kinder sterben – das geht einem nahe", erzählt der 22-Jährige. Dann kann er nicht immer abschalten. "Das ist die Schattenseite meines Berufes", sagt er. Für die Zukunft hat sich der Azubi vorgenommen, eine gesunde professionelle Balance zu entwickeln: Einerseits routiniert zu sein, andererseits aber auch das Mitgefühl für die Hinterbliebenen zu behalten. Michael Swadzba hat gute Aussichten, nach seiner Ausbildung übernommen zu werden, sagt sein Ausbilder.

Stand: 01.08.2012, 00:01