Privat oder städtisch: Wer kann's besser?

Helios Klinik

Bergische Kliniken im Vergleich

Privat oder städtisch: Wer kann's besser?

Von Johannes Rasch

Das Klinikum Niederberg in Velbert wird an den Helios-Konzern verkauft. Das haben die Stadträte in Velbert und Heiligenhaus beschlossen. Viele Niederberger hatten sich im Vorfeld gewehrt. Wie die Privatisierung in anderen Städten gelaufen ist - hier ein Überblick.

Der Helios-Konzen ist das mit Abstand größte Klinik-Unternehmen in Deutschland. Das Wuppertaler Helios-Klinikum ist mit über 1.000 Betten das größte Krankenhaus im Bergischen. Als Helios 2003 einstieg, war das damals städtische Krankenhaus mit rund 100 Millionen Euro verschuldet und stand kurz vor der Insolvenz.

Helios übernimmt Teilschuld

Helios übernahm ein Drittel der Schulden und machte Investitionszusagen. So bekam die Klinik ein Notfallzentrum und hat inzwischen auch ein Traumazentrum und eine Schlaganfall-Spezialstation. Doch es gab auch Kritik. Zum Beispiel daran, dass Bereiche wie die Küche ausgegliedert wurden und an der Pflege gespart werde. "Helios macht Jahr für Jahr Gewinne, aber bei den Beschäftigten wird ständig gespart", sagt Silke Iffländer von der Gewerkschaft Verdi.

Keine Aussage der Geschäftsführung

neugeborenes Baby

Helios´ neuester Kauf: Die Frauenklinik

Von der Helios-Geschäftsführung gab es dazu keine Aussage. Ein Interview wurde abgelehnt, wegen der bevorstehenden Privatisierung des Klinikums Niederberg in Velbert. In Wuppertal wächst Helios unterdessen weiter. Die Frauenklinik im Stadtteil Elberfeld, erst im vergangenen Jahr dazugekauft, soll demnächst nach Barmen ziehen.

Sana erster Investor im Bergischen

Der Sana-Konzern ist ein weiteres Klinik-Unternehmen im Bergischen. Sana übernahm schon im Jahr 2000 das städtische Klinikum in Remscheid und ist damit der älteste private Klinik-Investor in der Region. Auch Sana übernahm ein überschuldetes Haus. Der neue Eigentümer sanierte und baute neu, schloss aber gleichzeitig den Standort Remscheid-Lennep.

Kritik an Gewinnorientierung

Sana Klinikum Remscheid

Sana: Seit 2000 in Remscheid

"Private Konzerne müssen Gewinne machen. Und das geht zulasten des Personals", sagt die Gewerkschaft Verdi in Remscheid. Wie in Wuppertal bedeute das auch bei Sana in Remscheid: Outsourcing. Zum Beispiel in der Küche und an der Pforte. Der Druck auf die Beschäftigten sorge für Unruhe im Haus. Und regelmäßig gebe es eine neue Geschäftsführung. Die haben wir gebeten, auf die Vorwürfe zu reagieren. Doch das Sana-Klinikum sah sich nicht in der Lage, dem WDR ein Interview zu geben. Die Geschäftsführung sei derzeit nicht besetzt.

Adipositas-Zentrum als Aushängeschild

Ein Mann mit Brille steht vor einem Bücherregal

Gesundheitsökonom Prof. Hendrik Jürges

Erfolg hat das Klinikum dagegen mit seinem Adipositas-Zentrum. Krankhaft Übergewichtige aus dem ganzen Bundesgebiet lassen sich hier operieren. Und wo stünde die Remscheider Klinik ohne den privaten Investor? Sicher ist, dass die privaten Anbieter sich besser auf dem Kapitalmarkt bedienen können. Wenn jemand investiert, dann sind es die Privaten, sagt der Gesundheitsökonom Hendrik Jürges.

Solingen kommunal erfolgreich

Das Klinikum in Solingen

Klinikum Solingen muss sparen

Ein Gegenbeispiel ist das Solinger Klinikum. Es ist nach wie vor in städtischer Hand. Hier hat man Bereiche wie die Wäscherei oder die Küche eben nicht ausgegliedert, sondern zusätzlich mit Aufträgen von außen versorgt. So brachten sie dem Klinikum zusätzliche Einnahmen. Seit zwei Jahren schreibt aber auch das Solinger Klinikum rote Zahlen. "Wir haben zu viele Betten, und die Patienten bleiben zu lange bei uns", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim Müller-Stöver. Die Zahl der Betten soll von 720 auf unter 600 sinken. Müller-Stöver ist sich dennoch sicher: 2017 macht das Klinikum wieder Gewinne.

Stand: 03.02.2016, 06:50