Doel 3 wieder hochgefahren

Doel Reaktor Nr. 3, Reaktor Nr. 2 der Tihange Anlage, Antwerpen

Chronik belgischer Pannenreaktoren

Doel 3 wieder hochgefahren

  • Belgischer Reaktor Doel 3 wurde wieder hochgefahren
  • Umstrittene Reaktoren machen seit Jahren Sorgen
  • Zweitägiges internationales Arbeitstreffen in Brüssel

Alle sieben Atommeiler in Belgien sind bald wieder am Netz. Der umstrittene belgische Atomreaktor Doel 3 ist am Mittwoch wieder hochgefahren worden - die volle Leistung soll der Meiler am Freitag erbringen können. Das teilte der Betreiber Electrabel mit. Der Druckwasserreaktor bei Antwerpen liegt rund 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Doel 3 war am ersten Weihnachtstag 2015 vom Netz genommen worden, nachdem an einer Heißwasserleitung im konventionellen Teil des Kraftwerks ein Leck entdeckt worden war. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt gab es laut Betreiber keinerlei Gefahr.

Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen. Am Reaktorbehälter waren Haarrisse entdeckt worden. Bereits am Montag (04.01.2016) ging Doel 1 wieder in Betrieb, nachdem er sich zwei Tage zuvor automatisch abgeschaltet hatte.

Die anhaltende Pannenserie in den belgischen Atomkraftwerken sorgt seit Wochen für heftige Diskussionen. Aus diesem Anlass findet ab Montag (11.01.2016) in Brüssel ein zweitägiges internationales Arbeitstreffen statt. Dort will die belgische Atomaufsichtsbehörden FANC ihre Entscheidung zur Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 und Doel 3 erläutern. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums werden daran auch Mitarbeiter der zuständigen Abteilung Reaktorsicherheit teilnehmen. Eine Chronik der Defekte an den umstrittenen Reaktoren nahe der deutschen Grenze:

02.01.2016: Belgiens ältester Reaktor Doel 1 schaltet sich automatisch ab

Der vor 40 Jahren gebaute Reaktor hat sich automatisch abgeschaltet. Der Vorfall ist der nächste in einer Reihe von Problemen in Belgiens Atomanlagen. Die Selbstabschaltung in der bei Antwerpen gelegenen Anlage sei gemäß des vorgesehenen Verfahrens erfolgt, sagte ein Sprecher des Betreibers Electrabel. Doel 1 war erst am 30. Dezember wieder hochgefahren worden, nachdem er im Februar nach 40 Jahren am Netz abgeschaltet worden war. Am Montag (04.01.2015) wurde der Reaktor wieder angeschaltet. Bis er vollständig am Netz ist, vergehen zwei bis drei Tage.

25.12.2015: Haarrisse im Reaktorbehälter von Doel 3

Doel 3 war am ersten Weihnachtstag 2015 vom Netz genommen worden, nachdem an einer Heißwasserleitung im konventionellen Teil des Kraftwerks ein Leck entdeckt worden war. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt gab es laut Betreiber keinerlei Gefahr. Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt waren worden. Ein weitere Zwischenfall in der Geschichte der belgischen Reaktoren nahe der deutschen Grenze.

30.11.2015: Feuer in Tihange

Neben den Doel-Reaktoren bei Antwerpen, sorgt auch der Reaktor Tihange nahe Lüttich immer wieder für Schlagzeilen - und liegt nur etwa 70 Kilometer südwestlich von Aachen. So schaltete sich der Reaktor im November 2014 wegen Feuers in einem Transformator selbsttätig ab. Ursache war laut Medienberichten eine Explosion.

08.08.2015: Suspendierung von vier Mitarbeitern

Mitarbeiter des AKW Tihange haben mehrfach Sicherheitsregeln ignoriert. Der Vorwurf der Aufsichtsbehörde: "Schlamperei". Am 08. August 2015 zog sie vier Angestellte aus dem Verkehr - und verordnet der gesamten Belegschaft eine Nachschulung. Die belgische Atomaufsicht drohte laut Nachrichtenagentur Belga damals zum ersten Mal damit, das AKW Tihange zu schließen. Es soll sechs Verstöße gegeben haben, die zum Teil von Electrabel selbst gemeldet wurden.

30.11.2014: Explosion in Tihange 3

Der Reaktorblock 3 schaltet sich um etwa 10.30 Uhr nach einer Explosion automatisch ab. Der Grund: einer der Transformatoren fing Feuer. Nach Angaben von Electrabel habe es außerhalb des nuklearen Bereichs des Reaktorblocks gebrannt. Das Feuer sei schnell gelöscht worden, alle Sicherheitsmaßnahmen sollen befolgt worden sein. Am 02.12.2014 wurde der Reaktor wieder angefahren.

2012: Risse im Reaktorblock von Thiange 2

2012 wurden erstmals kleine Risse im Mantel von Tihange 2 festgestellt. Der Reaktor ging für ein Jahr vom Netz. 2013 lief er wieder, wurde wegen Sicherheitsmängeln aber ständig ein- und ausgeschaltet. In seinem inneren Kern wurden 2.000 Risse von bis zu neun Zentimetern gefunden. Untersuchungen zeigten, dass die ständige radioaktive Strahlung während des laufenden Betriebs den Stahl im Druckbehälter unerwartet brüchig gemacht hat. Dabei ist der Druckbehälter als Schutzhülle gedacht, falls es im Reaktor zu Explosionen kommen sollte.

04.10.2010: Säurehaltiges Wasser läuft in die Maas

Kurz nach 18.00 Uhr liefen rund 600 Liter säurehaltiges Wasser aus einem Graben in die Maas. Laut Angaben des Betreibers Electrabel trat bei dem Unfall kein radioaktives Material aus, die Säure soll sich im Flusswasser schnell neutralisiert haben.

2002: Druckabfall im Primärkreislauf in Tihange

2002 ereignete sich der bisher gefährlichste Störfall im AKW Tihange. Aufgrund eines versehentlich geöffneten Ventils kam es zu einem Druckabfall im Primärkreislauf und zum Verdampfen von Kühlwasser. Glücklicherweise reagierten die Sicherheitssysteme und verhinderten so eine mögliche Kernschmelze. Der Unfall wurde auf der INES-Skala für nukleare Störfälle in der Stufe 2 als "Störfall" eingeordnet. Zum Vergleich: Die Atomunfälle von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) wurden auf der INES-Skala mit der Stufe 7 als "katastrophaler Unfall" bewertet.

Stand: 07.01.2016, 07:30