Kleinkind wird nicht ohne Eltern abgeschoben

Der Vater hält seine 20 Monate alte Tochter Edona auf dem Arm

Kleinkind wird nicht ohne Eltern abgeschoben

Die knapp zwei Jahre alte Edona aus Medebach wird nicht allein und nicht ohne ihre Eltern abgeschoben - das hat jetzt auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) klargestellt. Offenbar hatte ein Missgeschick bei der Behörde dafür gesorgt, dass der Fall bundesweit Schlagzeilen machte.

Innerhalb einer Woche soll die 20 Monate alte Edona aus Medebach freiwillig aus Deutschland ausreisen - sonst müsse sie abgeschoben werden. So fordert es das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in einem Bescheid, der den Eltern des kleinen Mädchens vor einigen Tagen zugestellt wurde. Was bei den Eltern, aber auch bei vielen Freunden der mittlerweile gut in Medebach integrierten Familie für Entsetzen gesorgt hat.

BAMF stellt den Fall richtig

Die Nachricht, dass das Kind anscheinend ohne die Eltern abgeschoben werden sollte, hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Doch die Sorgen waren unbegründet – zumindest, was die Frage der alleinigen Abschiebung angeht. Zunächst hatte die Ausländerbehörde des Hochsauerlandkreises betont, dass minderjährige Kinder nicht ohne die Eltern abgeschoben werden. Und genau das hat jetzt auch noch einmal das BAMF unterstrichen. Es hatte sich bereits am Montagabend (15.02.2016) via Twitter geäußert.

Zugleich versuchte das Bundesamt jetzt, Aufklärung in den trotz allem ungewöhnlichen Vorgang zu bringen. Denn dass Kinder unabhängig von den Eltern eine Ablehnung des Asylbescheides bekommen und zur Ausreise aufgefordert werden - das sei völlig unüblich, sagen Verwaltungsjuristen dem WDR. Tatsächlich sei aber nicht nur über den Asylantrag des kleinen Mädchens Edona entschieden worden, sondern auch über den Antrag der Eltern, heißt es in einer Stellungnahme des BAMF gegenüber dem WDR.

Bescheide gingen nicht zeitgleich raus

"Bedauerlicherweise gingen die Bescheide nicht zeitgleich in die Zustellung, weshalb die Eltern den Bescheid des Kindes früher erhielten als ihren eigenen", schreibt ein Sprecher des BAMF weiter. "Dies ist der hohen Anzahl an Asylanträgen und der vielen vom Bundesamt getroffenen Entscheidungen geschuldet." Dass das Bundesamt offenbar arbeitsmäßig stark belastet ist, sieht man auch daran, wann der Sprecher der Behörde auf die Anfrage des WDR von Montag antwortete: Um 23.52 Uhr.

Wie die Entscheidung des Bundesamtes für die Eltern lautet, ob auch ihr Antrag abgelehnt wurde und sie Deutschland verlassen müssen, sagte das BAMF mit Hinweis auf den Datenschutz nicht. Bis Dienstagvormittag (16.02.2016) war der Bescheid auch noch nicht bei der Ausländerbehörde des Hochsauerlandkreises angekommen. Sollte es aber zu einer Abschiebung kommen, wird auch das in Medebach für großes Bedauern sorgen. Denn die katholische Familie ist dort gut integriert. Der Vater hat einen Arbeitsplatz, das ältere Kind der Familie ist in der Schule und der Vater singt im Männergesangverein der Kleinstadt.

Stand: 16.02.2016, 15:18