Hochsicherheitslager der Römer entdeckt

Hochsicherheitslager der Römer entdeckt

Am Niederrhein lebt's sich gefährlich - zumindest vor Hunderten von Jahren. Archäologen haben bei Bedburg-Hau ein altes Römerlager entdeckt, das offenbar massiv gesichert war. Nun plagt sie die Frage: Wovor hatten die Römer Angst?

Archäologen arbeiten am Römerlager

Hier ist was los: Auf einem Feld bei Bedburg-Hau am Niederrhein ist ein offenbar einst hoch gesichertes Militärlager der Römer entdeckt worden. Für die Archäologen ist dies ein ganz besonderer Fund.

Hier ist was los: Auf einem Feld bei Bedburg-Hau am Niederrhein ist ein offenbar einst hoch gesichertes Militärlager der Römer entdeckt worden. Für die Archäologen ist dies ein ganz besonderer Fund.

Das Lager ist umgeben von sogenannten Spitzgräben. Diese sind nach Angaben des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege zwei Meter breit und laufen ins Erdreich zwei Meter tief v-förmig zusammen. "Das bedeutet, dass sich das Lager in einer gefährlichen Situation befunden haben muss", erklärt LVR-Bodendenkmalpfleger Steve Bödecker.

Experten wie Bödecker fragen sich nun: Warum war dieses Lager nicht wie üblich mit nur einem Graben gesichert, sondern gleich mit mehreren? Beim rot eingezeichneten "Lager B" beispielsweise sind vier Gräben erkennbar. Das deute auf eine besondere militärische Bedeutung des Lagers hin, erklärt LVR-Pressesprecher Uwe Steinkühler. Hier könnte demnach eine Eingreiftruppe von bis zu 5.500 Soldaten stationiert gewesen sein.

Die Gräben sind aus der Luft auch ohne Hilfslinien erkennbar - wenn auch nicht sonderlich gut. Insgesamt soll das Lager rund 160.000 Quadratmeter groß gewesen sein. Laut LVR gibt es Hinweise, dass das Lager nicht permanent, sondern nur während einiger Jahre bestand. In welcher Zeit das war, wissen die Experten noch nicht.

Das Lager liegt zwischen den bekannten Lagern des Niedergermanischen Limes in Xanten und Nijmegen (im Bild das "Kohortenkastell" nord-westlich vom Legionslager "Vetera XX primigenia"). Der Fund soll in die Antragsliste für das Unesco Welterbe "Niedergermanischer Limes" aufgenommen werden. Dieser Grenzabschnitt des römischen Reiches reichte von der Osteifel in Rheinland-Pfalz bis zur Nordseeküste bei Katwijk.

"Die Legion muss sich aus irgendeinem Grund, den wir nicht kennen, hier aufgehalten haben", erklärt LVR-Bodendenkmalpfleger Bödecker. Es habe immer Zeiten gegeben, in denen die Römer ihre Legionen an den Rhein zusammengezogen hätten: Etwa unter Kaiser Caligula (12-41) zur Vorbereitung der Feldzüge nach Germanien oder unter Kaiser Claudius (10 v. Chr. - 54 n. Chr.), um Britannien zu erobern. Entscheidend für die Einordnung werde die zeitliche Bestimmung des Lagers sein. Dafür würden gefundene Tonscherben ausgewertet.

Stand: 26.11.2015, 16:27 Uhr