"Genauso sicher wie zweigleisige Strecken"

Eisenbahnschienen der Deutschen Bahn AG

Eingleisige Bahnstrecken in NRW

"Genauso sicher wie zweigleisige Strecken"

  • Mehr als ein Drittel der Bahnstrecken in NRW eingleisig
  • Laut Bahn keine Unterschiede bei der Sicherheit
  • Sicherheitssysteme sind tempoabhängig

"Unsere Weiterfahrt verzögert sich um wenige Minuten. Grund ist eine Zugkreuzung." Ansagen wie diese hören Bahnkunden immer wieder, wenn sie etwa mit dem RE4 von Düsseldorf in Richtung Wuppertal unterwegs sind. Dann wartet der Zug auf den entgegenkommenden aus Richtung Wuppertal. Grund: Im diesem Abschnitt wird ein Gleis von Zügen in beiden Fahrtrichtungen genutzt. Deshalb müssen sich die Züge hier gegenseitig abpassen. Das wird dann nötig, wenn einer von beiden verspätet ist, denn der Fahrplan ist eigentlich so abgestimmt, dass die Züge diesen Streckenabschnitt zu unterschiedlichen Zeiten nutzen.

Einsilbig zu eingleisigen Strecken

Bei der Frage zu eingleisigen Bahnstrecken gibt sich die Deutsche Bahn am Tag nach dem Zugunglück in Bad Aibling recht einsilbig. Eine Anfrage des WDR nach einer Liste der eingleisigen Strecken in NRW wird mit dem Hinweis abgelehnt, dies sei zeitlich nicht zu bewältigen. Nur die Zahl der Streckenkilometer wird genannt: Von insgesamt 4.700 Streckenkilometern in NRW sind mit 1.796 Kilometern rund 38 Prozent eingleisig. Im gesamten Bundesgebiet ist der Anteil eingleisiger Strecken mit 45 Prozent etwas größer. Nähere Angaben etwa zur Nutzung der Strecken, also ob hier überwiegend Personen- oder Güterzüge unterwegs sind, macht die Bahn nicht.

Bingmap vielbefahrene eingleisige Bahnstrecken

Nach Recherchen des WDR werden folgende eingleisige Bahnstrecken intensiver genutzt:

  • LünenMünster (elektrifizierte Hauptbahn, 45 km)
  • HerfordAltenbeken (elektrifizierte Hauptbahn, 47,3 km)
  • OsnabrückHalle (Westf.) – Bielefeld (nicht elektrifizierte Nebenbahn, 53 km)
  • Bielefeld-BrackwedeSchloss HoltePaderborn (nicht elektrifizierte Nebenbahn, 40 km)
  • MünsterWarendorfRheda-Wiedenbrück (nicht elektrifizierte Nebenbahn, 50 km)
  • MünsterSteinfurtGronau (- Enschede (NL) nicht elektrifizierte Nebenbahn, 64 km)
  • SchwerteWarburg (nicht eletrifizierte Nebenbahnstrecke, 138 km)
  • GeldernKleve (Nebenbahn, 25 km)
  • Rheinhausen/RheinkampXanten (teils eingleisige Nebenbahn, 37 km)
  • KölnGummersbachMeinerzhagen (teils eingleisige Nebenbahn, 76 km)
  • HorremBedburgGrevenbroich (Nebenbahn)

Bahn: Eingleisig sei nicht weniger sicher

Wichtiger ist es der Deutschen Bahn, jeden Verdacht auf ein mögliches größeres Risiko zu zerstreuen. "Bei unseren Sicherheitseinrichtungen unterscheiden wir nicht nach ein- und zweigleisigen Strecken." Die Annahme, eingleisige Strecken stellten ein größeres Sicherheitsrisiko dar, sei falsch, so ein Sprecher der Bahn auf Nachfrage des WDR. Unabhängig von der Zahl der Gleise gibt es zwei Systeme, Züge zu kontrollieren. Sie werden bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten eingesetzt.

Bei Zügen, die langsamer als 160 Stundenkilometer fahren, wird die "Punktförmige Zugbeeinflussung" (PZB) genutzt. Sie kontrolliert das Tempo eines Zuges nur an bestimmten Stellen, insbesondere vor Signalen und Abschnitten, an denen der Zug deutlich langsamer fahren muss, etwa in Kurven. Ist er dort zu schnell, wird er automatisch gebremst.

Permanent kontrolliert wird ein Zug, wenn er schneller als 160 Stundenkilometer fährt, mit der "Linienzugbeeinflussung" (LZB). Lokführer werden dann schon früher darüber informiert, was ein Signal anzeigt, weil der Bremsweg deutlich länger ist. Fährt ein Zug schneller als erlaubt, wird er automatisch abgebremst. Wenn dieses System ausfällt, wirkt automatisch die punktuelle Zugbeeinflussung.

Bremssand irritierte Zugbeeinflussung

Nach mehreren Unfällen untersagte das Eisenbahnbundesamt 2012 den Einsatz von Bremssand auf eingleisigen Bahnstrecken. Die Rekonstruktion der Unfälle hatte ergeben, dass der Sand, der zur besseren Bremswirkung auf die Gleise gestreut wird, mehrfach die Sensoren der Punktförmigen Zugbeeinflussung gestört hatten. Ein besetztes Gleis wurde daraufhin irrtümlich als frei angezeigt. In Recklinghausen war deshalb ein Güterzug mit Tempo 80 km/h auf eine Rangierlok aufgefahren. Zunächst waren die Ermittler von menschlichem Versagen ausgegangen. Die Bahn erklärte damals, die Anordung werde umgesetzt.

Stand: 10.02.2016, 12:16

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