Bahn-Anwohner kämpfen um Lärmschutz

Hertener klagen gegen DB Netz AG

Bahn-Anwohner kämpfen um Lärmschutz

Von Catherine Jaspard

  • Das OLG Hamm verhandelt am Dienstag (02.02.2016) über Klagen von Bahn-Anwohnern auf Lärmschutz
  • Es geht unter anderem um Schallschutzfenster für die Anwohner der Güterbahnstrecke von Oberhausen nach Hamm
  • Ein Urteil fällt später

Die Anwohner haben gegen die DB Netz AG geklagt und sich vor dem Landgericht Bochum ein Recht auf so genannten passiven Lärmschutz erstritten. Das heißt, die Bahn muss Schallschutzfenster bezahlen - hat aber Berufung eingelegt. Die Anwohner haben sich der Berufung angeschlossen, da sie gar keine Schallschutzfenster möchten. Sie fordern ein Tempolimit für die Bahn oder Schallschutzwände.

Anwohner aus Herten fordern Lärmschutzmaßnahmen

Der Lärm des Güterverkehrs belastet die Anwohner

Güterzugverkehr hat stark zugenommen

1905 wurde die 76 Kilometer lange Bahnstrecke eröffnet. Sie führt von Hamm über Lünen, Waltrop, Recklinghausen, Herten, Gladbeck, Bottrop nach Oberhausen. Als Manfred Kitschke und sein Nachbar Dietmar Klarenberg vor knapp zwanzig Jahren hier ihre Doppelhaushälften gebaut haben, fuhren weniger Züge, und sie fuhren nur in der Woche. Nachts und am Wochenende war es ruhig, erzählen sie. Mittlerweile wird die Strecke täglich von 61 Güterzügen mit einer Länge von teilweise 700 Metern und einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h befahren. Die Anwohner kriegen keinen Tiefschlaf mehr und leiden unter Schlafstörungen. Wenn sie im Sommer draußen sitzen, müssen sie Gesprächspausen machen, während ein Zug vorbeifährt.

"Bahn soll sich an den Lärmschutz halten"

Anwohner aus Herten fordern Lärmschutzmaßnahmen

Die Bahnstrecke liegt nur wenige Meter hinter den Häusern

Das Haus von Manfred Kitschke ist 25 Meter von den Gleisen entfernt. "Natürlich war die Bahn vor uns da. Wir haben nichts gegen die Bahn. Uns geht es darum, dass die Bahn sich an das hält, was für uns alle gilt: die Verkehrslärmschutzverordnung", sagt Kitschke. "Mit Tempo 30 km/h würden die Züge nachts die Grenzwerte einhalten", meint sein Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke. Das Landgericht München I habe im vergangenen Jahr vier Musterklägern dementsprechend schon Recht gegeben.

Bahn äußert sich nicht

Die Bahn wollte uns mit Hinweis auf das schwebende Verfahren weder schriftlich noch mündlich Fragen beantworten. Ein Sprecher teilte uns lediglich mit: "Im Rahmen des Lärmsanierungsprogrammes des Bundes wird in diesem Bereich derzeit das schalltechnische Gutachten ausgeschrieben. Mit einer Realisierung von Maßnahmen ist nicht vor 2020 zu rechnen."

Anwalt sieht Rechtsanspruch auf Schallschutz

Anwohner aus Herten fordern Lärmschutzmaßnahmen

Mehr als 60 Züge rollen hier täglich vorbei

Das Urteil in erster Instanz vor dem Landgericht Bochum ist rechtlich ein Novum: ein einklagbarer Rechtsanspruch auf Lärmschutzfenster. Nach Bewertung des Klägeranwalts eröffnet es auch weiteren tausenden Bahn-Anliegern nicht nur dieser Strecke, sondern auch bundesweit den Anliegern aller durch nächtlichen Güterzugverkehr stark befahrener Bahnstrecken einen Anspruch auf Kostenerstattung von Schallschutzfenstern. Manfred Kitschke und Dietmar Klarenberg möchten eigentlich in ihren Häusern wohnen bleiben. Wenn es aber so laut bleibt, wissen sie nicht, wie lange sie es noch in Herten aushalten.

Stand: 01.02.2016, 18:22

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