"Ihr bringt euch selbst in Gefahr"

Facebook Gruppierung Düsseldorf

Aussteiger warnt vor Düsseldorfer Bürgerwehr

"Ihr bringt euch selbst in Gefahr"

Von Peter Hild

Ein Mitinitiator der so genannten Düsseldorfer Bürgerwehr hat die Gruppe verlassen, weil sie sich nicht klar von rechten Sympathisanten distanziert habe. Er bezeichnet die interne Organisation als "chaotisch" und rät Menschen davon ab, sich der Gruppe anzuschließen.

"Da haben sich Menschen getroffen, die hatten eine Grundidee, die sie aber nicht formulieren konnten. Sie wollten etwas verändern, aber der Weg war ziemlich unklar", erzählt Frank T., der seinen wirklichen Namen aus Eigenschutz nicht öffentlich genannt haben möchte. Er war bei den ersten Treffen der "Düsseldorfer Bürgerwehr" dabei und betreute mit anderen die Facebook-Gruppe, der sich innerhalb weniger Tage weit über 10.000 Menschen angeschlossen hatten. Nach Angaben von Frank T. herrschte dort "einfach keine Ordnung", und es musste eine "Linie vorgegeben werden".

Viele rechte Sympathisanten

Dutzende Facebook-Profile rechter Sympathisanten habe er aus der Gruppe gelöscht, berichtet der Aussteiger, unter anderem von Hooligans und Anhängern der Republikaner sowie der rechtspopulistischen Bewegung "Pro NRW". Auf seine Forderung, sich deutlich von Radikalismus und Rassismus abzugrenzen, hätten die anderen Initiatoren nur zögerlich reagiert. "Es könne jeder mitmachen, die Leute sollten sich erst einmal beweisen, bekam ich dann zu hören", erzählt Frank T., "einige haben sich bewusst nicht distanziert". Als weiterhin Gruppenmitglieder mit rechtem Gedankengut nicht ausgeschlossen wurden, habe er für sich die Konsequenzen gezogen und die Bürgerwehr verlassen.

Chaotische Organisation

Sympathisanten einer Düsseldorfer Bürgerwehr gehen am 09.01.2016 durch Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)

Mitglieder der selbst ernannten Bürgerwehr

Die Bürgerwehr beschreibt Frank T. als "bunt zusammengewürfelte Truppe, in der viele Wünsche, Meinungen, Ängste und Visionen zusammenlaufen". Die Organisation der ersten Patrouillen durch die Altstadt sei chaotisch gewesen, ohne einen wirklichen Plan. Ein kurzfristig verfasstes Regelwerk sollte verhindern, dass "Gewaltbereite zur Gruppe dazu stoßen". Darin sollten sich die Mitglieder unter anderem von Gewalt, Waffen und politischem Extremismus distanzieren. Als es bei den ersten Rundgängen zu verbalen Provokationen durch linke Gruppen kam, seien einige Initiatoren nachdenklich geworden. Er habe sie deshalb dazu bewegen können, weitere Patrouillen vorerst abzusagen, erzählt der Aussteiger.

Aussteiger sieht Gefahr für Sicherheit

Frank T. sieht in der Gruppe ein "Risikopotenzial, das nicht zu kalkulieren ist". Er rät Menschen deshalb davon ab, sich der Gruppe anzuschließen: "Sie bringen sich selbst und die Sicherheit auf der Straße in Gefahr." Die Polizei habe die Situation in der Altstadt grundsätzlich im Griff, sagt er. Er halte die Rundläufe daher aktuell für überflüssig. Er hoffe, dass die Gruppe friedlich bleibe. Er selbst habe vor allem eine Kooperation mit der Polizei als Ziel gehabt.

Bürgerwehren sorgen in vielen Städten für Ärger

Tofigh Hamid im Gespräch mit der Polizei

Die Polizei sieht die Bürgerwehr kritisch

Nicht nur in Düsseldorf sorgen die selbst ernannten Bürgerwehren für Unruhe. Auch in vielen anderen Städten Nordrhein-Westfalens haben sich solche Gruppen vor allem im Internet gegründet. Erst am vergangenen Wochenende löste die Polizei in Bielefeld eine nach eigenen Angaben "nicht angemeldete Versammlung" einer rund 70-köpfigen Gruppe auf. Es habe Anzeichen dafür gegeben, dass Mitglieder der Hooligan- und Rockerszene eine Bürgerwehr bilden wollten, so die Polizei. Auch in Mönchengladbach und Oberhausen sorgten Rundgänge so genannter "Bürgerwehren" für Ärger. In Gelsenkirchen, Witten und Köln bestehen entsprechende Facebook-Gruppen mit mehreren tausend Mitgliedern.

Die Polizei versucht in vielen Städten den Bürgerwehren klare Grenzen aufzuzeigen, zum Beispiel in Krefeld: "Sie sind keine Polizisten zweiten Grades. Wir haben die rechtlichen Grenzen aufgezeigt und werden die Gruppe überaus kritisch im Auge behalten", erklärte Polizeisprecherin Karin Kretzer.

Stand: 25.01.2016, 14:09