Das Jahr der Brillen und Agenten

Ausblick auf das digitale 2016

Das Jahr der Brillen und Agenten

Von Jörg Schieb

  • Virtual Reality wird immer mehr Trend
  • Hardware wird preiswerter
  • Agenten ersetzen Oberflächen

Vor einigen Tagen hat der amerikanische Hersteller Oculus VR, der seit März zum Facebook-Konzern gehört, quasi den offiziellen Startschuss gegeben: Die Virtual-Reality-Brille ist fertig und wird ausgeliefert. Allerdings erst mal nur an Entwickler, denn die warten händeringend auf das Brillenungetüm. Sie wollen endlich anfangen, Spiele und vor allem Apps für die Brille zu entwickeln.

Virtual und Augmented Reality

Virtual Reality dürfte das Trendthema schlechthin in den nächsten Monaten werden. Auf der "Consumer Electronics Show" (CES), die Anfang Januar in Las Vegas startet, ist das Thema bereits fest gesetzt. Bislang war Virtual Reality (VR) nur etwas für Spielefans. Doch so allmählich dringen die Spezialbrillen in den Konsumermarkt vor: Die Brillen werden langsam erschwinglich. Es gibt auch Brillengestelle für unter 50 Euro, in die man sein Smartphone einstecken kann. Überall wird auf Virtual Reality gesetzt, ob in Games, bei YouTube, sogar im Kino. Wir werden dieses Jahr viele VR-Brillen sehen.

Microsofts Hololens-Brille lässt 3D-Objekte im Raum erscheinen

Microsofts Hololens-Brille lässt 3D-Objekte im Raum erscheinen

Gleichzeitig wird Augmented Reality immer wichtiger. Hier verschmelzen echte und virtuelle Welt miteinander. Einer der Vorreiter dürfte dieses Jahr Microsoft werden. Denn im Laufe des Jahres kommt die Hololens-Brille von Microsoft auf den Markt. Anders als VR-Brillen kann man durch die Brille hindurch den Raum sehen, in dem man sich befindet – gleichzeitig werden aber Informationen aus dem Netz angezeigt. Die Benutzeroberfläche schwebt praktisch im Raum, ebenso 3D-Objekte, die man bewegen kann. Eine ganz neue Art der Bedienung – auch auf Smartphones und Tablets möglich und mit entsprechenden Apps ausgestattet.

Hardware wird günstiger

Gute Nachrichten für alle, die gerne Hightech kaufen: Hardware wird ab der zweiten Jahreshälfte günstiger. Durch das WTO-Freihandelsabkommen fallen am 1. Juli die Zölle für rund 200 Hightech-Produkte. Davon sind rund 90 Prozent des weltweiten Handels mit IT-Produkten betroffen, denn es sind 54 Staaten an diesem Abkommen beteiligt, darunter die USA, China, Japan sowie alle EU-Länder. Wenn Hersteller und Einkäufer die dann deutlich günstigeren Einkaufspreise weitergeben, dann dürften Kameras, Smartphones, Tablets und Zubehör spürbar günstiger werden.

Das Internet der Dinge

2016 werden immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden. Ein Trend, der schon länger als "Internet of Things" (IoT) bekannt und daher keineswegs neu ist, der sich allerdings in diesem Jahr beschleunigen dürfte. Ob Fitness-Tracker, Smartwatches, Webcams, Steuerungsgeräte im Haushalt, Auto, Heimelektronik, Heizung, Beleuchtung, Fernseher, Spielzeug oder andere Alltagsgegenstände: Es gilt als chic, Geräte mit dem Internet zu verbinden. Per Bluetooth oder WLAN.

Experten erwarten, dass sich die Geräte auch untereinander stärker austauschen. Die Industrie freut sich darüber: Sie weiß, dass so mehr wertvolle Daten anfallen, die für Marketing und andere Zwecke genutzt werden können. So praktisch die Vernetzung von Geräten sein mag, sie birgt auch eine Menge Risiken. Sicherheitslücken in der Software von Geräten wird ein Normal-User kaum entdecken – und auch nicht stopfen können.

Autonomous Agents erledigen alles

Wir reden immer öfter mit unseren Geräten. Das geht teilweise gar nicht anders, denn eine Smartwatch lässt sich allein schon wegen der winzigen Displaygröße kaum anders bedienen. Aber auch mit Smartphone und Tablet wird immer mehr gesprochen. Virtuelle persönliche Assistenten (VPA) wie Google Now oder Apple Siri machen vor, in welche Richtung die Reise geht. Die Anbieter entwickeln sogenannte "autonomous agents". Das sind eigenständige Agenten, die quasi alle Wünsche und Anforderungen des Benutzers entgegen nehmen.

Agenten wie Google Now organisieren den Tag

Agenten wie Google Now organisieren den Tag

Eine Benutzeroberfläche mit Menüs, Icons und Funktionen wird man irgendwann nicht mehr brauchen, da die Agenten alles regeln. Sie sind quasi die Hauptschnittstelle zum Nutzer. Der Nutzer spricht mit dem Agenten, technisch eine App. In diese Richtung entwickeln nicht nur Apple, Google und Microsoft ihre Agenten weiter, sondern auch andere Anbieter. Allerdings funktionieren solche Agenten nur dann zuverlässig, wenn sie ihren Benutzer gut kennen. Dafür müssen reichlich Daten gesammelt werden. Gerade in Deutschland dürfte das zu einer gewissen Skepsis der neuen Technologie gegenüber führen.

Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube, Twitter, Instagram und Co. werden sich auch in 2016 weiter entwickeln. Facebook setzt weiterhin verstärkt auf Mobilgeräte – und betreibt eine weitere Aufsplittung der Dienste auf einzelne Apps. So merkt der User gar nicht immer, dass er sich im Facebook-Universum bewegt. Gleichzeitig lassen sich aber immer bessere Werbeformen anwenden. Twitter wird auch in 2016 weiter versuchen, einen Weg zu finden, wie sich der Dienst besser monetarisieren lässt. Das ist auch dringend nötig, denn bislang enttäuscht Twitter seine Anleger. Den Usern ist das aber egal: Sie werden die mobilen Dienste der Sozialen Netzwerke immer stärker nutzen.

Stand: 01.01.2016, 06:00