Zu wenig Lebensmittel für zu viele Bedürftige

Frisches Obst und Gemüse bei Tafel Werdohl auf dem Ladentisch

Aufnahmestopp bei Tafeln

Zu wenig Lebensmittel für zu viele Bedürftige

Von Lisa Bühren

Die Werdohler Tafel nimmt seit Januar keine neuen Kunden mehr auf. Es sollen nicht mehr als 200 Bedürftige monatlich versorgt werden. Die Mitarbeiter der Tafel seien an ihre Belastungsgrenze gekommen, heißt es vom Diakonischen Werk.

„Wir haben uns schweren Herzens für einen Aufnahmestopp entschieden“, sagt Heike Schaefer, zuständig für die Freiwilligenzentrale des Diakonischen Werkes. Gründe dafür gebe es viele. Zum einen seien die Lebensmittelspenden in den vergangenen Jahren erheblich zurück gegangen. Zum anderen seien aber immer mehr Menschen zur Tafel gekommen. Vor zehn Jahren habe man etwa 100 Haushalten ausgeholfen, nun seien es doppelt so viele. Mehr Arbeit sei auch für die Mitarbeiter nicht zu bewältigen.

„Tafeln sollen lediglich Ergänzung sein“

Das Diakonische Werk Plettenberg betreut drei Tafeln: In Plettenberg, Attendorn und Werdohl. Auch in Plettenberg gibt es seit Ende vergangenen Jahres einen Aufnahmestopp. Einmal im Monat können Menschen mit wenig Geld in den drei Städten Lebensmittel günstig erwerben - Lebensmittel, die sonst weg geworfen werden. „Das soll lediglich eine Ergänzung zum Ende des Monats sein, wenn das Geld nicht mehr reicht“, sagt Schaefer. Zusätzlich gebe es Beratung in einem Café. Ziel sei es, dass die Menschen irgendwann unabhängig von der Tafel sind.

Kein Aufnahmestopp in größeren Städten

Die Tafeln in OWL

Immer mehr gefragt - die Lebensmittel der Tafel

In den größeren Städten Südwestfalens sieht die Lage anders aus. In Iserlohn war ein Aufnahmestopp zwar schon einmal Thema, heißt es von der Caritas. Bisher konnte er aber immer abgewendet werden. „Wir tun alles, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können“, sagt Robert Marx von der Caritas. Wenn weniger Lebensmitteln gespendet werden, dann werden sie aus anderen Städte besorgt. Auch in Iserlohn steige der Bedarf stetig, aktuell gebe es 2.600 Kunden.

In Siegen musste die Tafel noch nicht über einen Aufnahmestopp nachdenken. Bisher habe es immer genügend Lebensmittelspenden gegeben. „In der Woche kommen rund 5.000 Menschen, etwa 1.000 sind Flüchtlinge“, sagt Sybille Klein von der Siegener Tafel. Aber: Eine dauerhafte Unterstützung für den Sozialstaat könne die Tafel nicht sein, findet auch Sybille Klein. „Die Politik muss etwas tun.“

Stand: 01.02.2016, 10:19