Angst vor Nervengift Quecksilber

Anwohner gegen Asphaltmischwerk in Lüntenbeck

Angst vor Nervengift Quecksilber

Von Silvia Pauli

Protest vor dem alten Asphaltwerk der Firma Deutag in Wuppertal-Dornap: Bürger aus dem Stadtteil Lüntenbeck wollen verhindern, dass vor ihrer Haustür eine neue, größere Anlage gebaut wird.

Viele Menschen in Lüntenbeck haben Angst vor dem, was auf sie zukommen könnte: Dreck, Lärm und Schadstoffe. Sie fürchten, dass es ihnen ähnlich ergeht wie den Anwohnern eines Asphaltmischwerks in Wuppertal-Nächstebreck. Die klagen seit Jahren über einen schmierigen Dreckfilm auf den Fenstern, auf Autos und dem Gemüse im Garten.

Ältere Dame mit Mütze gibt Interwiev

Edda Oppenhäuser fürchtet um ihre Gesundheit

Edda und Jürgen Oppenhäuser wohnen am Ende der Straße Buntenbeck. Nur 250 Meter weit weg von dem Ort, wo das neue Asphaltwerk gebaut werden soll. Die Lüntenbeckerin ist empört: "Wir leben mit Obst und Gemüse aus dem Garten. Unsere Enkelkinder sollen sich bei uns erholen können. Wir haben unser Haus nicht gekauft, nur weil es ein hübsches Fachwerkhaus ist. Wir wollen da gesund leben und die nächste Generation, die das Haus erbt, auch."

Braunkohlestaub im Einsatz

Weißes Haus

Noch leben die Oppenhäusers sehr idyllisch

So wie Edda Oppenhäuser sehen das viele Anwohner. Keiner weiß genau, welche Schadstoffe aus dem Schornstein des Asphaltwerks geblasen werden. Sicher ist, dass die Firma Deutag auch ihre neue Anlage mit Braunkohlestaub befeuern will. Genau wie das Werk in Nächstebreck und die meisten anderen Mischwerke in Deutschland. Der Brennstoff ist preiswert. Bisher habe es nie Probleme mit Braunkohlestaub gegeben, sagt Jörg Rasch, Niederlassungsleiter der Firma Deutag.

Gefahr für Babys

Fest steht aber, dass bei der Verbrennung von Braunkohle Quecksilber frei gesetzt wird. Das Nervengift wird über Luft und Regen verteilt, landet in Böden und Gewässern und reichert sich dort an. Irgendwann kommt das Quecksilber auch in die Nahrungskette. Schon jetzt warnen Experten vor häufigem Fischgenuss. In einer EU-Studie ist zu lesen, dass etwa jedes dritte neugeborene Baby eine bedenkliche Menge Quecksilber im Körper hat. Das Gift kann schon im Mutterleib die Nervenzellen schädigen.

Brennstoff erlaubt

Man mit Brille und schwarzen Haaren

Stadt Wuppertal: kein Einfluss

In Wuppertal läuft gerade das Bebauungsplan-Verfahren für das neue Asphaltmischwerk. Man werde "nichts unter den Tisch kehren,“ versichert Baudezernent Frank Meyer: "Aber einen Einfluss auf die Wahl des Brennstoffs hat die Stadt nicht.“ Der Einsatz von Braunkohlestaub ist gesetzlich erlaubt. Und für Anlagen in der Größe des geplantes Mischwerks gibt es weder Grenzwerte für Quecksilber-Emissionen noch die Pflicht, ein Abscheide-Verfahren für den giftigen Stoff einzubauen.

Anlage

Asphaltwerk in Nächstebreck

Und das, obwohl laut einer aktuellen Studie allein die Kohlekraftwerke in Deutschland jährlich drei Tonnen Quecksilber aus dem Kamin blasen. Die EU hat zwar jetzt einen Grenzwert für das Nervengift festgelegt. Der muss aber erst ab 2020 eingehalten werden und gilt auch nur für große Kraftwerke.

Stand: 29.01.2016, 11:30