Erhöhte Alarmbereitschaft in NRW

SEK-Beamte

Sicherheitsbehörden aktiviert

Erhöhte Alarmbereitschaft in NRW

Von Christian Wolf

Sämtliche SEK-Einheiten sind in NRW nach den Pariser Anschlägen in Einsatzbereitschaft. Innenminister Jäger warnt jedoch vor Panik. Konkrete Hinweise auf bevorstehende Attentate gebe es nicht. Die Bundespolizei hat dennoch ihre Überwachung an den Grenzen erhöht.

Die verheerenden Terroranschläge von Paris mit mindestens 128 Toten versetzen auch die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen in erhöhte Alarmbereitschaft. Nach WDR-Informationen sind sämtliche SEK-Beamte im Land aktiviert. An normalen Wochenenden gelte dies für nur eine Einheit, erklärte Arnold Plickert, Chef der Gewerkschaft der Polizei in NRW, im WDR-Fernsehen. Nun seien alle Kräfte einsatzbereit, entweder an den Standorten oder in Rufbereitschaft. Innerhalb von 60 Minuten könnten die Spezialeinheiten dann ausrücken. Allerdings gelte für NRW keine verschärfte Sicherheitslage. "Wir wussten, dass auch wir im Fokus des islamistischen Terrors stehen", sagte Plickert.

Land im Austausch mit Bundesbehörden

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) bekräftigte, dass die Sicherheitsbehörden wachsam seien. Allerdings gebe es keinen Grund zur Panik. "Wir dürfen jetzt nicht in Angst und Schrecken verfallen", sagte der SPD-Politiker im WDR. Man sei im direkten Austausch zwischen den Behörden der Länder und des Bundes, um die Lage zu analysieren.

Sicherheitsvorkehrungen auf "sehr hohem Niveau"

Jäger wies darauf hin, dass Deutschland und Nordrhein-Westfalen schon seit Langem im "Fadenkreuz des internationalen Terrorismus" stünden. Seit den Anschlägen auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar seien die Sicherheitsvorkehrungen in NRW bereits auf einem "sehr hohen Niveau". "Solche Anschläge können auch jederzeit in Deutschland stattfinden", sagte Jäger. Es gebe jedoch hierzulande keine konkreten Hinweise auf bevorstehende Anschläge.

Grenzüberwachung nach Terror

Wie sich die Terroranschläge auch hierzulande auswirken, zeigt sich unter anderem an den Grenzen von Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben der Bundespolizei sind die Beamten dort in erhöhter Aufmerksamkeit. Ein Sprecher sagte, die Kollegen seien sensibilisiert. Die Streifen entlang den Grenzen und in den Zügen von und nach Frankreich würden erhöht. Die Züge von und nach Frankreich fahren derzeit planmäßig. Einschränkungen gibt es nach Angaben der Deutschen Bahn nicht. Allerdings stehe man im engen Kontakt mit den Sicherheitsbehörden, hieß es. Auch am Düsseldorfer Flughafen gab es am Samstagvormittag nach Angaben eines Sprechers keine Einschränkungen.

Französische Einrichtungen unter Schutz

Die Polizei in Düsseldorf verstärkte nach eigenen Angaben die Schutzmaßnahmen am Französischen Generalkonsulat in der Landeshauptstadt. Weitere Gebäude und Plätze wie etwa der Landtag oder der Hauptbahnhof würden derzeit aber nicht besonders bewacht. Mit erhöhter Wachsamkeit verfolgten auch die Beamten in Bonn und Aachen die Entwicklung in Frankreich. "Wir haben derzeit ein besonders waches Auge auf vier Gebäude in der Stadt, bei denen es eine Verbindung zu Frankreich gibt", sagte ein Sprecher der Bonner Polizei. Von einer erhöhten Gefahr ging das Polizeipräsidium aber zunächst nicht aus. Ähnliches gelte auch für die Region Aachen, wie die dortige Polizei mitteilte. Besondere Schutzmaßnahmen seien deshalb im Moment nicht notwendig.

Innenminister: "Gebotene Maßnahmen ergriffen"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte auf einer Pressekonferenz in Berlin, die deutschen Behörden stünden in ständigem Austausch mit allen Ebenen in Frankreich und hätten die "gebotenen Maßnahmen" zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ergriffen. Dazu gehörten eine stärkere Präsenz bewaffneter Polizisten an Bahnhöfen und Flughäfen sowie mehr Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze. Er habe eine "robustere Ausstattung" der Polizisten im Einsatz an Orten kritischer Infrastruktur angeordnet, sagte de Maizière. Die Beamten trügen Schutzwesten und zeigten ihre Bewaffnung sichtbar. Die Behörden überwachten außerdem "ganz genau" die bekannten islamistischen Gefährder und ihre Sympathisanten, sagte der Innenminister weiter.

Stand: 14.11.2015, 18:26