Mehr sexuelle Übergriffe angezeigt

Archivbild: Polizisten stehen neben Karnevalisten am Zugweg

Zwischenbilanz Straßenkarneval in NRW

Mehr sexuelle Übergriffe angezeigt

  • 22 Anzeigen wegen sexuellen Übergriffen allein in Köln
  • Polizei spricht von "veränderter Anzeigebereitschaft"
  • Vielerorts geht Zahl der Einsätze zurück

Allein in Köln waren in diesem Jahr 2.500 Polizisten unterwegs, drei Mal so viele wie im vergangenen Jahr. Es gab deutlich weniger Taschendiebstähle und Schlägereien, dafür wurden am Donnerstag (04.02.2015) 22 sexuelle Übergiffe angezeigt - das sind mehr als 2015 während des gesamten Straßenkarnevals. Im vergangenen Jahr waren es nur neun und davor zehn. Die angezeigten Delikte reichen von der sexuellen Beleidigung bis hin zur Vergewaltigung. Zwei der 22 Delikte waren schwerwiegend.

In einem Fall griffen zwei Männer einer belgischen TV-Journalistin an die Brust. "Diese Journalistin ist unter den Augen der laufenden Kamera begrapscht und sexuell belästigt worden", sagte der Kölner Polizeidirektor Michael Temme am Freitag (05.02.2016). Der zweite Fall betrifft eine Frau, die am frühen Freitagmorgen auf dem Heimweg niedergeschlagen und "offenbar auch vergewaltigt wurde", wie Temme sagte. Die alarmierte Polizei nahm einen 17-jährigen Tatverdächtigen in der Nähe des Tatorts fest. Der Jugendliche hat laut Staatsanwaltschaft in Deutschland "einen Asylstatus".

"Wir führen die gestiegene Zahl (der Übergriffe) darauf zurück, dass die Anzeigebereitschaft eine deutlich veränderte ist." Vermutlich sei die Bereitschaft, solche Vorfälle auch tatsächlich anzuzeigen, seit den Vorfällen der Kölner Silvesternacht gestiegen. Temme berichtete von einem Fall, in dem ein Türsteher zu einer Frau gesagt haben soll, er wolle sie nur gegen 25 Euro oder ein "Bützje" reinlassen. "Ich will das nicht verharmlosen, aber das zeigt doch, dass sich die Anzeigebereitschaft der Frauen verändert hat", sagte Temme. Vor einem Jahr wäre das sicher noch nicht angezeigt worden.

Insgesamt wurden bis Freitagmorgen 181 Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen. Mehr als sonst, allerdings hatte die Polizei auch eine deutlich niedrigere Schwelle für Einsätze angekündigt. Die Beamten verzeichneten in den Abendstunden und in der Nacht ein höheres Agressionspotential als tagsüber. Am Hauptbahnhof kam es in der Nacht noch zu einem tragischen Unfall. Ein stark alkoholisierter Karnevalist stürzte ins Gleisbett und verletzte sich lebensgefährlich. Die Feuerwehr wurde von Schaulustigen bei der Rettung behindert.

Vergewaltigung in Stukenbrock

Beim Karneval in Stukenbrock im Kreis Gütersloh ist am Donnerstagabend eine 24-Jährige vergewaltigt worden. Der 29-jährige mutmaßliche Täter konnte festgenommen werden. Nähere Einzelheiten will die Polizei im Laufe des Vormittags bekannt geben. Auch mehrere Antanzdiebe mischten sich unter die Feiernden in Stukenbrock. In Dinslaken wurde am Abend ein 29-Jähriger vorläufig festgenommen, der auf einer Karnevalsfeier im Alkohol- und Drogenrausch mehrere Frauen angefasst und belästigt haben soll. Gegen ihn wird wegen sexueller Nötigung ermittelt.

In Duisburg habe es außer kleineren Auseinandersetzungen keine Zwischenfälle in der Nacht gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. In Bonn rückten die Polizisten zu mehreren Schlägereien und Ruhestörungen aus, ein 28-jähriger Mann wurde festgenommen. Er hatte auf zwei weitere Männer eingeschlagen. Insgesamt seien die Einsätze im Vergleich zum Vorjahr aber zurückgegangen. In Leverkusen-Schlebusch kam es zu Streitigkeiten innerhalb einer größeren Personengruppe. Die Beamten sprachen vor Ort 37 Platzverweise aus und nahmen drei Personen in Gewahrsam.

In Bonn gab es am Donnerstagabend eine Festnahme. Fußgänger fanden zudem einen Schwerverletzten auf dem Gehsteig. Wer der Mann ist und ob er sich die Verletzungen bei einem Unfall oder einer Auseinandersetzung zugezogen hatte, war zunächst unklar.

Terrorangst in Wanne-Eickel

Fernab von den Karnevalshochburgen, in Herne, hat die Stimmung am Donnerstag einen herben Dämpfer bekomen. In Wanne-Eickel ist eine große Karnevalsparty für mehrere Hundert Kinder abgesagt worden. Hintergrund ist ein anonymes Schreiben mit teilweise wirren Aussagen wie "Deutschland tötet alle Moslems". Trotz anderslautender Empfehlung des Staatsschutzes wollte der Veranstalter der für Sonntag geplanten Party kein Risiko eingehen. Am Freitag hat die Polizei einen Verdächtigen ermittelt, der für den Brief verantwortlich sein soll. Der Mann wird als verwirrt aber harmlos eingestuft. Ob die für Sonntag geplante Party nun doch stattfindet, ist noch unklar.

Stand: 05.02.2016, 18:13

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