AfD flirtet mit britischen Europa-Gegnern

Britischer Rechtspopulist Farage in Köln

AfD flirtet mit britischen Europa-Gegnern

Von Martin Teigeler und Martina Züger

Der britische Rechtspopulist Nigel Farage ist am Donnerstag (27.03.14) bei einer Veranstaltung von Euro-Gegnern in Köln aufgetreten. Marcus Pretzell, NRW-Spitzenkandidat der "Alternative für Deutschland" (AfD), schloss dabei eine Zusammenarbeit mit Farage nicht mehr aus. AfD-Bundeschef Lucke geht dazu auf Distanz.

Die Euro-kritische Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) öffnet sich langsam für eine Kooperation mit britischen Rechtspopulisten. Der umstrittene Vorsitzende der United Kingdom Independent Partei (UKIP), Nigel Farage, trat am Donnerstagabend (27.03.2014) auf einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation in Köln auf. Farage sprach vor mehreren hundert Zuhörern. Der NRW-Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, der Bielefelder Anwalt Marcus Pretzell, sagte am Rande der Veranstaltung im Gespräch mit dem WDR-Fernsehen, eine Zusammenarbeit mit der UKIP im künftigen EU-Parlament sei "nicht ausgeschlossen".

Schelte vom Parteichef

Der AfD-Bundesvorsitzende Bernd Lucke ging am Freitag (28.03.2014) auf Distanz zu den Veranstaltern von Köln. "Die AfD missbilligt diese Veranstaltung als ein falsches und irreführendes Signal, da sie mehrfach betont hat, dass sie im Europäischen Parlament keine Zusammenarbeit mit UKIP anstrebt", teilte Lucke mit. Die Nachwuchsorganisation "Junge Alternative" sei allerdings als Organisator des Kölner Farage-Auftritts von der AfD "unabhängig und treffe ihre Entscheidungen eigenverantwortlich". Die Veranstaltung sei "nicht gerade ein Ausweis großen politischen Fingerspitzengefühls", rügte Lucke das Vorgehen des AfD-Nachwuchses.

AfD sucht Bündnispartner

Die AfD liegt derzeit in Umfragen zur Europawahl am 25. Mai bei 5 bis 7 Prozent. Die deutschen Euro-Skeptiker werden dem Europäischen Parlament schon wegen des Wegfalls der Fünf-Prozent-Hürde mit ziemlicher Sicherheit angehören. Seit Monaten debattiert die Partei darüber, mit wem sie im EU-Parlament kooperieren soll. UKIP-Chef Nigel Farage bestätigte im Februar 2014 gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass es schon mehrere Treffen von ihm und Landessprechern der AfD gegeben hat. Ihm sei bewusst, dass sich AfD-Bundeschef Lucke lieber mit den britischen Konservativen im EU-Parlament zusammentun wolle, die die gemäßigt-konservative Parteienfamilie der Europäischen Volkspartei (EVP) verlassen haben. NRW-Spitzenkandidat Pretzell stellt sich nun offenbar gegen den UKIP-skeptischen Kurs des Bundesvorsitzenden Lucke.

Querelen in NRW

Im Bundesverband der AfD und im Landesverband NRW gibt es Streitigkeiten über den künftigen Kurs der Partei. Hinzu kommen teils heftige Personalquerelen. In Nordrhein-Westfalen werben der frühere Landessprecher Alexander Dilger und der aktuelle Landesvorsitzende Jörg Burger eher für einen bürgerlich-wirtschaftsliberalen Kurs der AfD. Pretzell und der Haaner AfD-Politiker Martin Renner stehen für einen anderen, populistischeren Kurs. Pretzell hatte sich auf dem Bundesparteitag der AfD mit seiner Europawahl-Kandidatur unter anderem gegen Dilger durchgesetzt. In seinen Reden warnt Renner vor einer "Islamisierung". Er kenne Nigel Farage "seit einiger Zeit", sagte Renner dem WDR. "Deshalb habe ich vermittelt, damit er bei der 'Jungen Alternative' in Köln auftritt." Die AfD habe "Gemeinsamkeiten" mit der UKIP, es gebe aber auch Gegensätze. Als eine Gemeinsamkeit nannte Renner auf Nachfrage die Forderung nach einer "Begrenzung der Zuwanderung".

Stand: 28.03.2014, 15:08

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