Urteile im Aachener Zalando-Betrugsprozess gesprochen

Schuhe sind in einem Regal aufgereiht

Urteile im Aachener Zalando-Betrugsprozess gesprochen

Von Helga Lennartz-Schwartzkopf

Vor dem Aachener Landgericht sind am Freitag (12.02.2016) sechs Internet-Betrüger aus Aachen zu Gefängnis- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Angeklagten hatten teure Designer-Waren beim Online-Shop Zalando bestellt und nicht bezahlt.

In ihrem Schlusswort hatte die 28 Jahre alte Angeklagte, eine Modedesignerin, tränenreich von Reue gesprochen. Sie habe einen Fehler gemacht und daraus ihre Lehre gezogen, beteuerte sie. Das nahm ihr das Gericht allerdings nicht ab. Die Frau habe bei ihren letzten Worten vielmehr darüber geklagt, dass sie in der Untersuchungshaft kein Glätteisen für ihre Locken gehabt hätte, sagten die Richter im Urteil.
Die 28-Jährige und ihre jüngere Schwester waren die Hauptangeklagten in dem Prozess gewesen. Die 25 Jahre alte Schwester hatte ausgesagt, sie habe an einem "Schuh-Wahn" gelitten. Beide Frauen sind jetzt zu Gefängnisstrafen von rund drei Jahren verurteilt worden.

Logistisch durchdachter Betrug

Eine Frau zeigt auf ein paar Schuhe in einem Online Shop

Leichtes Spiel: Die Schuhe wurden stets auf Rechnung bestellt

High Heels, Ballerinas, Sneakers, aber auch andere teure Designer-Artikel hatten die Schwestern ergaunert. Dazu meldeten sie sich unter falschen Namen bei Zalando an und bestellten Waren auf Rechnung. Die ließen sie überwiegend an leerstehende Wohnungen in anonyme Miethäuser schicken, wo zuvor die Briefkästen mit den falschen Namen beklebt worden waren.
Dabei sollen die vier Mitangeklagten, darunter Mutter, Bruder und Cousine der beiden Frauen, mehr oder weniger geholfen haben. Sie kamen mit Bewährungsstrafen davon. Der Staatsanwalt war in dem Prozess zunächst von insgesamt 273 Betrügereien ausgegangen sowie einem Schaden von 70.000 Euro.

Unmengen von Designer-Waren sichergestellt

Letztlich wurde die Hälfte der angeklagten Fälle eingestellt, da viele davon sich nicht genauer nachweisen ließen. So wurden bei einer Hausdurchsuchung zwar Berge an Designer-Ware sichergestellt, wer sie aber tatsächlich bestellt hatte, blieb unklar. Ebenso ist noch offen, was mit den Sachen nun weiter passiert. Zalando soll auf eine Rückgabe verzichtet haben. In ihrem Urteil sagten die Richter, dass der Online-Shop es den Angeklagten bei ihren Betrügereien leicht gemacht hätte. Dort könne man anscheinend problemlos Waren bis zu 400 Euro auf Rechnung bestellen.

Stand: 12.02.2016, 13:17

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