Zwanziger darf Katar weiter "Krebsgeschwür" nennen

Ex-DFB-Chef gewinnt Prozess

Zwanziger darf Katar weiter "Krebsgeschwür" nennen

Von Martin Höke

Vor dem Landgericht Düsseldorf wurde heute die Unterlassungsklage des Fußballverbands von Katar gegen den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger verhandelt. Ihm wurde vorgeworfen, Katar als ein "Krebsgeschwür des Weltfußballs" bezeichnet zu haben.

Theo Zwanziger darf Katar weiter "Krebsgeschwür" nennen. Das stellte die 6. Kammer des Düsseldorfer Landgerichts unter Vorsitz von Richter Joachim Matz am Dienstag (02.02.2016) in der mündlichen Verhandlung in ihrer juristischen Einordnung fest. Der katarische Fußball-Verband QFA hatte gegen den früheren DFB-Präsidenten auf Unterlassung geklagt.

Recht auf freie Meinungsäußerung steht höher

Das Recht auf freie Meinungsäußerung sei in dieser Sache höher einzustufen als der Ehrschutz der Klägerin. Zwanzigers Äußerung in einem Interview sei "unter dem Gesichtspunkt der freien Meinungsäußerung noch gerechtfertigt". Stein des Anstoßes ist ein Radiointerview, das der EX-DFB-Chef im Juni 2015 dem Hessischen Rundfunk am Telefon gegeben hatte. Der Moderator fragte, ob der Rücktritt von Fifa-Chef Blatter einen Neuanfang für den Weltfußballverband bedeute und es in dieser neuen Situation möglich sei, die hochumstrittene WM in Katar noch zu verhindern. Darauf hatte Theo Zwanziger wörtlich geantwortet: "Das habe ich immer für möglich gehalten und für notwendig. Ich habe immer gesagt, dass Katar ein Krebsgeschwür des Weltfußballs ist, mit dieser Entscheidung hat alles begonnen."

Zwanziger nahm nichts zurück

FIFA-Skandal

Theo Zwanziger hatte sich am Telefon zu Katar geäußert

Die Botschaft des Emirats reagierte damals umgehend. In einer Mitteilung hieß es, die Äußerung sei eine nicht hinnehmbare Verleumdung und Herabwürdigung seiner Bürger und staatlichen Gemeinschaft. Der Fußballverband Katars forderte von Theo Zwanziger eine Unterlassungserklärung. Doch der 70-Jährige weigerte sich, daraufhin folgte die Klage.

Streit landete vor Gericht

Zwanziger fühlt sich im Recht. Seine Äußerung sei eine von der Meinungsfreiheit gedeckte, zulässige Kritik am System Katar. Er habe als ehemaliges Mitglied des FIFA-Vorstands das Recht und die Pflicht, die umstrittene Vergabe der Fußball-WM nach Katar anzuprangern. Zudem sei der Verband des Emirats gar nicht angesprochen, also auch nicht beleidigt worden, hieß es in seiner Klageerwiderung. Das Urteil wird am 19. April verkündet. Zwanziger war heute persönlich vor dem Landgericht erschienen, die Gegenseite wurde vom früheren CSU-Politiker Peter Gauweiler vertreten.

Stand: 02.02.2016, 06:59

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