Prozess nach fatalem Faustschlag

Landgericht Bochum

Opfer seit 16 Monaten im Koma

Prozess nach fatalem Faustschlag

Von Thomas Becker

Am Amtsgericht Bochum hat am Dienstag (12.1.2016) der Prozess gegen einen 31-jährigen Mann aus Herne begonnen. Im September 2014 soll er in Bochum einen Polizisten, der privat unterwegs war, niedergeschlagen haben. Der 28-Jährige prallte mit dem Kopf auf die Straße und liegt seitdem im Wachkoma.

Es war nur ein einziger Faustschlag, der den 28-jährigen Andre L. am Morgen des 5. September 2014 ins Gesicht traf. Der Polizist brach zusammen, schlug auf dem Bürgersteig auf und verlor sofort das Bewusstsein. Im Krankenhaus stellten die Ärzte kurz darauf einen Schädelbasisbruch und massive Hirnblutungen fest. Andre L. ist bis heute nicht mehr aus dem Koma aufgewacht. Als ihn der fatale Schlag morgens um 3.45 Uhr traf, war er nicht im Dienst. Er feierte mit Freunden im Bermuda-Dreieck seinen Ausstand bei der Bochumer Einsatzhundertschaft. In Kürze sollte er seinen Dienst in einem Polizeirevier antreten.

Überwachungsbilder führen zum Täter

Dann kommt es zu dem fatalen Zusammentreffen. Laut Anklage will der Polizist draußen vor der Gaststätte mit seiner Freundin eine Zigarette rauchen. Eine Gruppe junger Männer kommt vorbei. Aus nichtigem Anlass entsteht eine Streiterei. Zunächst nur mit Worten. Doch dann trifft den Bochumer plötzlich eine Faust im Gesicht. Der Täter rennt weg, tagelang fahndet die Polizei nach ihm, zunächst vergeblich. Dann veröffentlichen die Ermittler Fotos, die eine Überwachungskamera kurz vor der Tat aufgenommen hat. Und tatsächlich erkennen Zeugen den Schläger darauf wieder. Eine Woche nach dem Vorfall wird der jetzt Angeklagte an seiner Wohnung in Herne festgenommen.

Anklage wegen schwerer Körperverletzung

Blick auf das Bochumer "Bermudadreieck"

Der Streit ereignete sich im Bochumer Bermuda-Dreieck

Der 31-Jährige hat am Dienstag vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Der Mann ist bisher unbescholten, verheiratet und Vater eines Kindes. Verantworten muss er sich jetzt wegen schwerer Körperverletzung. Die Mindeststrafe dafür liegt bei einem Jahr. Sollte das Gericht mildernde Umstände sehen, kann sie aber auch niedriger ausfallen. Eine wichtige Frage im Prozess wird sein, warum der Mann sich damals nicht selbst gestellt hat. Sein Verteidiger wollte dazu vor Prozessbeginn nichts sagen. Auch die Anwältin, die im Prozess die Angehörigen des Opfers vertritt, wollte vor Prozessbeginn gegenüber der Presse keine Stellungnahme abgeben. Die Mutter und der Zwillingsbruder des Opfers haben als Nebenkläger an der Verhandlung teilgenommen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Kein Einzelfall

Das Schicksal des jungen Polizisten aus Bochum ist kein Einzelfall. Im Mai 2011 musste auch die Familie des damals 22-jährigen Kevin Schwandt aus Gladbeck erleben, dass ein einziger Faustschlag das Leben eines Menschen zerstören kann. Beim Stadtfest hatte ein 18-Jähriger den jungen Mann ohne Anlass niedergeschlagen. Kevin Schwandt erlitt schwere Kopfverletzungen und liegt seitdem im Koma. Der Täter wurde später zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Anfang 2015 hatte der Faustschlag eines Polizisten in Gelsenkirchen sogar tödliche Folgen. Bei einer Festnahme schlug der Beamte einem 44-jährigen Verdächtigen so heftig ins Gesicht, dass der Mann mit dem Kopf aufs Pflaster schlug. Er starb Tage später an seinen Verletzungen. Die Ermittlungen gegen den Beamten wurden später eingestellt.

Stand: 12.01.2016, 17:34

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